Nach zwei Tagen auf Sal haben wir langsam verstanden, was „No Stress“ auf Kap Verde bedeuten kann. Kein frühes Aufstehen, keine Hektik und vor allem: nicht jeden Tag von morgens bis abends unterwegs sein.
Am Donnerstag, 13. August, steht allerdings wieder ein Ausflug auf dem Programm.
Diesmal geht es aufs Wasser.
Katamaran-Tour.
Und das Beste daran: Wir müssen nicht früh raus.
Die Abholung erfolgt erst gegen Mittag.
Also heißt es zunächst einmal:
Ausschlafen.
Wir lassen den Morgen ganz gemütlich angehen.
Ausgiebiges Frühstück, Kaffee, ein bisschen durch die Hotelanlage schlendern und ansonsten einfach nichts tun.
Nach dem ereignisreichen Vortag mit der Inselerkundung tut diese Ruhe richtig gut.
Kein Programm.
Kein Zeitplan.
Einfach Urlaub.
Gegen Mittag nehmen wir noch ein frühes Mittagessen ein. Danach wird es langsam Zeit, uns für den Ausflug fertig zu machen.
Badesachen an.
Schnorchelausrüstung einpacken.
Die Kamera darf natürlich ebenfalls nicht fehlen.
Und weil wir schließlich wissen, dass wir später auch ins Wasser gehen werden, landet natürlich auch die Unterwasserkamera im Gepäck.
Als Fotograf kann man schließlich nicht einfach nur Urlaub machen.
Irgendwas muss immer fotografiert werden. 😉
Um 13 Uhr wartet bereits der Bus.
Eine kleine Überraschung erwartet uns bereits bei der Abholung.
Die Reisegruppe ist diesmal deutlich größer als am Vortag.
Aber dafür gibt es eine andere schöne Überraschung:
Wir entdecken zwei Paare, die bereits bei unserer Inselrundfahrt am Vortag dabei waren.
Man kennt sich inzwischen ein wenig.
Und so fühlt sich die Gruppe trotz der größeren Teilnehmerzahl schnell wieder vertraut an.
Mit dem Bus fahren wir zunächst nach Palmeira, dem kleinen Hafenort an der Westküste von Sal.
Palmeira ist einer der wichtigsten Häfen der Insel und wird sowohl von der Fischerei als auch vom Güterverkehr und Tourismus geprägt. Rund um den Hafen findet man Fischerboote, bunte Häuser und das typische kapverdische Leben abseits der großen Hotelanlagen.
Heute ist der Hafen für uns allerdings nur der Startpunkt.
Denn unser eigentliches Ziel liegt draußen auf dem Atlantik.
Am Hafen angekommen bekommen wir zunächst unsere Schwimmwesten.

Dann geht es nicht etwa über eine normale Gangway direkt auf den Katamaran.
Wir steigen in kleine Beiboote.
Diese bringen uns hinaus zum Katamaran, der bereits etwas weiter draußen vor Anker liegt.
Eine kleine Bootsfahrt zum Boot.
Warum einfach, wenn es auch so geht?
Schließlich erreichen wir unser schwimmendes Zuhause für die nächsten Stunden.
Jetzt heißt es:
Schuhe aus.
Barfuß fühlt sich ein Katamaran irgendwie sofort nach Urlaub an.
Wir suchen uns einen schönen Platz im Schatten und stoßen erst einmal mit einem Begrüßungssekt an.
Die Stimmung ist von Anfang an ausgesprochen gut.
Die Crew ist freundlich und gut gelaunt, die Mitreisenden ebenfalls.
Und dann sind irgendwann alle an Bord.
Der Motor startet.
Die Leinen werden gelöst.
Und wir fahren hinaus.
Kaum haben wir den Hafen hinter uns gelassen, verändert sich die Atmosphäre.


Palmeira wird kleiner.
Die Küste zieht langsam vorbei.
Vor uns nur noch:
Meer.
Blauer Atlantik, Sonne, Wind und der Katamaran, der sich ruhig durch die Wellen bewegt.
Wir kommen schnell mit anderen Mitreisenden ins Gespräch.
Es wird erzählt, gelacht und gefachsimpelt.
Wer kommt woher?
Wer ist zum ersten Mal auf Kap Verde?
Wer war schon einmal hier?
Und wie lange bleibt ihr?
Genau diese Gespräche gehören für mich zu solchen Ausflügen dazu.
Man reist zwar gemeinsam mit fremden Menschen los – aber spätestens nach ein paar Stunden fühlt sich eine solche Gruppe manchmal schon fast wie eine kleine Reisegemeinschaft an.
Und natürlich läuft auch meine Kamera.
Meer fotografieren.
Küste fotografieren.
Vögel fotografieren.
Wellen fotografieren.
Und immer wieder der Blick aufs Wasser:
Vielleicht kommt ja doch noch ein Delfin vorbei.
Die Crew hatte uns Hoffnung gemacht.
Wir halten also Ausschau.
Immer wieder.
Doch an diesem Tag haben wir leider kein Glück.
Keine Delfine.
Aber dafür jede Menge Meer.
Und das ist schließlich auch nicht schlecht.
Zwischendurch werden leckere Snacks und Getränke gereicht.


Wir lassen es uns gutgehen.
Die Sonne scheint, der Wind sorgt für angenehme Abkühlung und der Katamaran gleitet weiter entlang der Küste.
Unser Ziel ist der Monte Leão – der „Löwenberg“.




Der markante Berg liegt an der Westküste von Sal und gehört zu den auffälligeren Landschaftsformationen der Insel. Seinen Namen verdankt er seiner charakteristischen Form, die aus bestimmten Perspektiven an einen liegenden Löwen erinnert.
Und tatsächlich:
Je näher wir kommen, desto besser lässt sich die Form erkennen.
Der kahle, vulkanisch geprägte Berg ragt aus der ansonsten eher flachen Landschaft der Insel heraus.
Ein schöner Anblick.
Doch wir interessieren uns jetzt vor allem für das Wasser.
Denn der Katamaran steuert eine geschützte Bucht an.
Der Katamaran ankert.
Und damit beginnt der für mich spannendste Teil des Ausflugs.
Wasser marsch!
Wir dürfen von Bord.
Schwimmen.
Schnorcheln.
Und natürlich fotografieren.
Das Wasser ist unglaublich klar.
Die Sicht unter Wasser ist hervorragend und natürlich kann ich es nicht lassen, mit der Unterwasserkamera auf Entdeckungstour zu gehen.
Ein völlig anderes Fotografieren als an Land.
Kein Stativ.
Keine lange Vorbereitung.
Kein perfektes Licht planen.
Einfach ins Wasser, Kamera einschalten und schauen, was passiert.
Die Unterwasserwelt rund um Sal ist vielleicht nicht mit den spektakulärsten tropischen Tauchrevieren der Welt vergleichbar, aber genau das macht die Situation für mich spannend.
Man weiß nie, was einem vor die Linse kommt.
Und vor allem:
Man ist selbst mitten im Motiv.
Irgendwann heißt es:
Alle zurück an Bord!
Wir steigen aus dem Wasser, trocknen uns ab und machen es uns wieder auf dem Katamaran gemütlich.
Der Anker wird gelichtet.
Der Motor läuft.
Wir fahren zurück Richtung offenes Meer.
Alles ganz normal.
Bis plötzlich der Motor ausgeht.
Für einen kurzen Moment ist es ungewohnt ruhig.
Und dann passiert es:
Die Segel werden gehisst.




Der Katamaran beginnt zu segeln.
Nur der Wind.
Das Meer.
Das Knarren der Takelage.
Und das sanfte Gleiten des Bootes durch die Wellen.
Das ist einer dieser Momente, in denen man die Kamera auch einfach einmal weglegen sollte.
Denn manchmal ist das Erlebnis wichtiger als das Foto.
Und dann dreht die Crew die Musik auf.
Zunächst wird ein bisschen getanzt.
Die Crew zeigt einige kapverdische Tänze und sorgt für Stimmung.




Ein paar Gäste machen mit.
Dann werden es mehr.
Und noch mehr.
Und irgendwann tanzt gefühlt fast die gesamte Gruppe.
Auf einem fahrenden Katamaran mitten auf dem Atlantik.
Die Sonne steht inzwischen schon deutlich tiefer.
Musik.
Wind.
Meer.
Tanzende Menschen.
Und eine Stimmung, die man nur schwer beschreiben kann.
Genau für solche Momente macht man Urlaub.
Am frühen Abend erreichen wir wieder den Hafen von Palmeira.
Die Katamaran-Tour ist vorbei.
Der Bus wartet bereits.
Wir verabschieden uns von der Crew und unseren Mitreisenden und fahren zurück zum Hotel.
Dort heißt es zunächst:
Duschen.
Umziehen.
Und dann wieder raus.
Denn für diesen Abend haben wir bereits einen Tisch reserviert.
Im hoteleigenen Restaurant Kulinarium.
Und diese Entscheidung sollten wir nicht bereuen.
Was uns dort erwartet, übertrifft unsere Erwartungen deutlich.
Das Essen ist hervorragend.
Aber nicht nur das Essen.
Auch der Service ist ausgesprochen aufmerksam und professionell.
Für uns bewegt sich der gesamte Abend kulinarisch und beim Service auf Sterne-Niveau.






Nach dem eher lockeren und geselligen Tag auf dem Katamaran ist dieser Abend damit ein schöner Kontrast.
Ruhig.
Gutes Essen.
Guter Service.
Zeit füreinander.
Und natürlich darf auch ein Cocktail anschließend nicht fehlen.
Danach allerdings:
Bett.
Denn der Tag war lang.
Und wir sind müde.
Sehr müde.
Nach zwei ereignisreichen Tagen ist für Freitag ganz bewusst etwas anderes geplant:
Nichts.
Na ja.
Fast nichts.
Wir schlafen aus.
Frühstücken ausgiebig.
Und anschließend geht es ins SPA des Hotels.
Eine Massage steht auf dem Programm.
Und was soll ich sagen?
Himmlisch.
Nach den vergangenen Tagen mit viel Bewegung, Sonne, Ausflügen und Wasser ist die Massage genau das Richtige.
Wir verlassen das SPA tiefenentspannt.
Und eigentlich wäre jetzt der perfekte Zeitpunkt, den Tag auf der Liege zu verbringen.
Also machen wir genau das.
Wir gehen an den Strand.
Suchen uns ein schönes Plätzchen.
Und bleiben dort.
Lange.
Sehr lange.
Heute gibt es keinen Ausflug.
Keine Abfahrtszeit.
Keinen Guide.
Keinen Bus.
Keine Sehenswürdigkeiten.
Nur:
Strand, Meer und Ruhe.

Und natürlich nehme ich auch an diesem Tag die Gelegenheit wahr, das Meer zu beobachten.
Ich liebe Meerestiere.
Deshalb entdecke ich irgendwann auch die hoteleigene Aufzuchtstation für Meeresschildkröten.
Die Station unterstützt den Schutz und die Aufzucht von Meeresschildkröten und sensibilisiert Hotelgäste für den Erhalt dieser faszinierenden Tiere.
Für mich ist ziemlich schnell klar:
Hier möchte ich etwas beitragen.
Also übernehme ich die Patenschaft für ein komplettes Schildkrötennest.


Eine kleine Geste – aber für mich eine schöne Möglichkeit, einen Teil dieses Urlaubs mit einem konkreten Beitrag zum Schutz der Tiere zu verbinden.
Und irgendwie passt auch das perfekt zu unserem Urlaub.
Wir genießen das Meer.
Und gleichzeitig können wir etwas für die Tiere tun, die dieses Meer zu ihrem Lebensraum machen.
Irgendwann geht auch dieser Strandtag zu Ende.
Wir gehen zurück ins Zimmer.
Duschen.
Umziehen.
Und dann wartet das Abendessen.
Diesmal geht es wieder ins Buffet-Restaurant.



Das Essen ist lecker.
Keine Frage.
Aber im direkten Vergleich zum Kulinarium am Vorabend fällt der Unterschied doch deutlich auf.
Beim Ambiente.
Beim Service.
Und natürlich auch bei der gesamten Atmosphäre.
Aber heute geht es ohnehin nicht primär ums Essen.
Denn nach dem Abendessen steht noch etwas ganz anderes auf dem Programm.
Party!
Unser Hotel veranstaltet jeden Freitagabend beziehungsweise in die Nacht hinein eine große Party.
Dabei wechseln sich verschiedene Themen ab.
Mal ist es eine White Party.
Mal eine Neon Party.
Und heute ist:
NEON!



Schon beim Betreten des Veranstaltungsbereichs ist klar:
Das wird keine kleine Hotelanimation.
Die gesamte Anlage ist entsprechend dekoriert.
Leuchtende Farben.
Neon.
Licht.
Laser.
Seifenblasen.
Nebel.
Und natürlich:
Musik.
Laute Musik.
Sehr laute Musik.
Die Bässe hämmern.
Menschen tanzen.
Überall leuchtende Farben.
Die Stimmung ist ausgelassen.
Und je später der Abend wird, desto voller wird die Tanzfläche.
Wir lassen uns natürlich ebenfalls nicht lange bitten.
Warum auch?
Schließlich sind wir im Urlaub.
Und irgendwann ist die gesamte Tanzfläche eine Mischung aus bunten Farben, Lichtstrahlen, Nebel und tanzenden Menschen.
Ein ziemlich surrealer Anblick.
Wenn man bedenkt, dass wir morgens noch tiefenentspannt bei einer Massage lagen und tagsüber am Strand waren, ist das schon eine interessante Entwicklung.
Aber genau das ist Urlaub.
Man kann morgens entspannen und abends feiern.
Als wir schließlich ziemlich spät, aber ausgesprochen zufrieden ins Bett fallen, geht ein weiterer Urlaubstag zu Ende.
Und wenn wir die vergangenen beiden Tage Revue passieren lassen, könnte der Unterschied kaum größer sein.
Donnerstag:
Katamaran.
Atlantik.
Schnorcheln.
Unterwasserfotografie.
Segeln.
Musik.
Tanzen.
Kulinarium.
Freitag:
Ausschlafen.
Massage.
Strand.
Meeresschildkröten.
Sonnenuntergang.
Neon Party.
Und genau dazwischen liegt das, was unseren Urlaub auf Sal bisher ausmacht:
Kein Stress.
Oder eben:
No Stress.
Wir haben inzwischen schon unglaublich viel erlebt.
Und trotzdem fühlt es sich nicht nach einem vollgepackten Urlaub an.
Denn zwischen den Erlebnissen bleibt immer wieder Zeit zum Durchatmen.
Zeit zum Genießen.
Zeit für das Meer.
Und Zeit für uns.
Noch liegen ein paar Tage vor uns.
Und mindestens eine große Tour steht noch auf dem Programm.
Die Haifischbucht.
Ob wir dort tatsächlich Haie sehen?
Das erfahrt ihr im nächsten Teil.
Fortsetzung folgt …