06. August 2026 - Mit dem E-Auto nach Wacken, ein Selbstversuch

August 05, 2026  •  Kommentar schreiben

Mit dem E-Auto nach Wacken – ein Selbstversuch zwischen Reichweitenangst und Metal

Wie bereits im letzten Beitrag angekündigt, gibt es heute einmal etwas völlig anderes. Normalerweise dreht sich auf meinem Blog alles um Fotografie, Reisen oder American Football. Doch nach unserer diesjährigen Fahrt zum Wacken Open Air gab es ein Thema, über das ich unbedingt schreiben wollte.

Die Frage lautete: Kommt man mit einem Elektroauto problemlos nach Wacken – und vor allem auch wieder zurück?

Die kurze Antwort vorweg:

Ja. Man kommt problemlos nach Wacken. Und man kommt sogar wieder zurück.

Damit könnte der Bericht eigentlich schon beendet sein. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht.

Warum überhaupt dieser Selbstversuch?

Geplant war das Ganze eigentlich nicht.

Mein bisheriger Diesel war bereits zurückgegeben, das neue Fahrzeug bekomme ich allerdings erst im September. Damit blieb für die Fahrt zum Wacken Open Air nur noch das Auto meiner Frau – ein Cupra Born.

Vorweg möchte ich eines ganz klar sagen:

Ich habe absolut nichts gegen Elektroautos.

Ganz im Gegenteil. Im Alltag fahre ich unseren Born sogar ausgesprochen gerne. Das sofort anliegende Drehmoment sorgt für brutale Beschleunigung und enormen Fahrspaß, das lautlose Gleiten ist angenehm und insgesamt fährt sich das Auto wirklich hervorragend.

Trotzdem unterscheidet sich eine fast 700 Kilometer lange Reise deutlich vom täglichen Pendeln oder Einkaufen.

Diesel gegen Elektro – zwei völlig unterschiedliche Reisen

Mit meinem bisherigen Diesel sah die Welt ziemlich entspannt aus.

Mit einer Reichweite von etwa 900 bis 950 Kilometern konnte ich die Strecke von Mannheim bis nach Wacken fahren und auf der Rückreise sogar noch ungefähr bis in den Raum Hannover kommen, bevor überhaupt der erste Tankstopp nötig gewesen wäre.

Beim Cupra Born sieht das naturgemäß anders aus.

Im reinen Autobahnbetrieb liegt die realistische Reichweite realistisch bei maximal 300 Kilometern. Im gemischten Verkehr aus Autobahn, Landstraße und Stadt sind durchaus 350 bis 400 Kilometer möglich – abhängig von Temperatur, Wetter und Fahrweise.

Damit beginnt bereits vor Reiseantritt ein ganz anderer Planungsprozess.

Während ich mit dem Diesel einfach losfahre und tanke, wenn der Tank langsam leer wird, überlegt man beim Elektroauto schon Tage vorher:

  • Wo laden wir?
  • Wie lange laden wir?
  • Welche Ladeleistung steht dort zur Verfügung?
  • Sind genügend Ladesäulen vorhanden?
  • Und vor allem: Kommen wir mit möglichst vollem Akku in Wacken an, damit wir für die Rückfahrt – insbesondere bei möglichen Staus – ausreichend Reserven haben?

Genau diese Planung ist wahrscheinlich der größte Unterschied zwischen beiden Antriebsarten.

Die Anreise nach Wacken

Am Montagmorgen ging es schließlich los.

Der erste Ladestopp führte uns in den Raum Stadtallendorf auf einen Autohof. Während das Auto Strom tankte, gab es für uns ein entspanntes Frühstück bei McDonald's.

Der zweite Halt erfolgte auf einer Raststätte bei Hannover. Hier wurde der Ladevorgang gleich mit einem vorgezogenen Mittagessen verbunden.

Ein letztes Mal luden wir in Itzehoe an einer Aral-Tankstelle mit Rewe To Go nach. Ein kleiner Snack, noch einmal den Akku auffüllen – und dann waren es nur noch wenige Kilometer bis zum Holy Ground.

Insgesamt verlief die Anreise absolut problemlos.

Die Rückfahrt – mit einer kleinen Überraschung

Am Sonntagmorgen klingelte der Wecker früh.

Bereits um 5:45 Uhr machten wir uns auf den Heimweg. Wer schon einmal in Wacken war, weiß warum: Je früher man startet, desto größer ist die Chance, den großen Rückreise-Staus zu entgehen.

Der erste Ladestopp im Großraum Hamburg verlief völlig problemlos. Während das Auto lud, gab es ein kleines Frühstück in der Tankstelle.

Interessanter wurde es beim zweiten geplanten Halt auf einer Raststätte im Raum Hannover.

Alle Ladesäulen waren außer Betrieb oder meldeten permanent Störungen.

Also blieb nichts anderes übrig, als die Autobahn zu verlassen und nach Laatzen zu einem Lidl-Parkplatz mit Schnellladesäulen zu fahren. Das bedeutete einen Umweg von rund acht Kilometern je Richtung – insgesamt also etwa 16 Kilometer zusätzlich.

Die Ladepause wurde erneut sinnvoll genutzt. In der Bäckerei vor Ort gab es ein zweites Frühstück.

Der letzte Ladestopp erfolgte anschließend wieder am Autohof bei Stadtallendorf. Während das Auto ein letztes Mal Strom bekam, stärkten wir uns bei McDonald's mit einem Mittagessen.

Am frühen Nachmittag waren wir schließlich wieder zuhause.

Wie fährt sich ein Elektroauto auf einer Langstrecke?

Hier gibt es von mir ein klares Lob.

Der Cupra Born unterstützt den Fahrer hervorragend.

Das Navigationssystem plant automatisch passende Ladestopps, zeigt die verfügbare Ladeleistung an und informiert sogar darüber, ob aktuell freie Ladepunkte vorhanden sind. Natürlich kann sich diese Situation kurzfristig ändern, dennoch ist diese Unterstützung wirklich hilfreich.

Trotzdem gibt es einen Punkt, der mich persönlich beschäftigt.

Kaum hat man frisch geladen, zeigt das Fahrzeug gleich wieder den nächsten Ladestopp in rund anderthalb Stunden oder 180 bis 200 Kilometern an.

Objektiv betrachtet ist das völlig logisch.

Subjektiv fühlt es sich jedoch an, als würde man permanent gegen die Reichweitenanzeige fahren.

Vielleicht geht es nur mir so – aber dieses Gefühl begleitet einen auf der gesamten Reise. Das erzeugt bei mir ein permanentes Stressgefühl.

Hinzu kommt, dass man meist nur mit 120 bis 130 km/h unterwegs ist. Nicht weil das Auto schneller nicht könnte, sondern weil sich der Energieverbrauch darüber deutlich erhöht und dadurch weitere Ladepausen notwendig würden.

Mit genau diesem Fahrzeug lässt sich die Reichweite bei einer solchen Autobahnfahrt kaum noch nennenswert steigern.

Der Kostenvergleich

Und damit kommen wir zu dem Punkt, der mich persönlich am meisten überrascht hat.

Die Fahrt funktioniert problemlos.

Beim Thema Kosten fällt mein persönliches Fazit allerdings deutlich kritischer aus.

Mein Diesel verbraucht bei einer Reisegeschwindigkeit von 120 bis 130 km/h ungefähr 5,6 Liter auf 100 Kilometer.

Der Cupra Born lag auf dieser Fahrt bei durchschnittlich 20,5 kWh pro 100 Kilometer.

Rechnet man mit einem Dieselpreis von 2,40 Euro pro Liter, und einem Strom-Preis von 0,80 EUR pro kw/h ergeben sich folgende Kosten:

Diesel:

5,6 Liter × 2,40 Euro = 13,44 Euro pro 100 Kilometer

Beim Elektroauto sieht die Rechnung folgendermaßen aus:

20,5 kWh × 0,80 Euro = 16,40 Euro pro 100 Kilometer

Natürlich lässt sich dieser Wert verbessern.

Mit den unterschiedlichsten Ladekarten, Apps oder monatlichen Abonnements sinken die Strompreise teilweise deutlich.

Allerdings entsteht dadurch aus meiner Sicht ein etwas schiefer Vergleich.

Denn beim Diesel fahre ich an jede beliebige Tankstelle, halte meine Kreditkarte an das Terminal und bezahle den Preis, den jeder andere Autofahrer ebenfalls bezahlt.

Beim Elektroauto beginnt dagegen häufig erst einmal die Suche nach der passenden App, dem richtigen Tarif oder einem günstigeren Anbieter.

Alternativ verlässt man – wie in unserem Fall – die Autobahn und fährt beispielsweise zu einem Lidl-Parkplatz oder anderen günstigeren Lademöglichkeiten. Das spart zwar Geld, kostet aber wiederum Zeit und zusätzliche Kilometer.

Allein unser Umweg bei Hannover entsprach ungefähr sechs Prozent der maximalen Reichweite des Fahrzeugs. Das ist nicht zu unterschätzen.

Mein persönliches Fazit

Hat der Selbstversuch funktioniert?

Absolut.

Würde ich jederzeit wieder mit einem Elektroauto nach Wacken fahren?

Wenn es sein muss: Ja.

Würde ich mich freiwillig zwischen Diesel und Elektro für diese Langstrecke entscheiden?

Nein.

Für meinen persönlichen Einsatzzweck bleibt der Diesel auf einer solchen Reise einfach das wirtschaftlichere, flexiblere und zeitsparendere Fahrzeug.

Das bedeutet aber keineswegs, dass Elektroautos schlecht sind.

Im Gegenteil.

Sie bieten enormen Fahrspaß, fahren angenehm leise, beschleunigen beeindruckend und sind im Alltag oft die bessere Wahl.

Bei langen Autobahnreisen sehe ich – zumindest mit unserem aktuellen Fahrzeug und den derzeitigen Rahmenbedingungen – den Diesel jedoch weiterhin im Vorteil.

Deshalb steht mein persönliches Fazit bereits heute fest:

Zum Wacken Open Air 2027 fahren wir wieder mit dem Diesel.

Und trotzdem bin ich froh, diesen Selbstversuch gemacht zu haben. Denn viele Meinungen über Elektroautos entstehen aus Vermutungen. Ich kann nun aus eigener Erfahrung sagen:

Ja, man kommt problemlos mit einem E-Auto nach Wacken. Man muss die Reise lediglich etwas anders planen.

 


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