Es gibt Orte, an die man immer wieder zurückkehrt. Orte, an denen man sich vom ersten Moment an zuhause fühlt. Für viele Menschen ist das ein Ferienhaus am Meer oder eine Berghütte in den Alpen. Für uns ist es seit vielen Jahren ein kleines Dorf in Schleswig-Holstein mit gerade einmal rund 2.000 Einwohnern: Wacken.
Auch 2026 führte uns der Weg wieder zum größten Heavy-Metal-Festival der Welt. Für Außenstehende ist das Wacken Open Air oft einfach nur ein riesiges Musikfestival. Für diejenigen, die Jahr für Jahr wiederkommen, ist es viel mehr: ein Treffen mit Freunden, eine Auszeit vom Alltag, eine besondere Gemeinschaft und jedes Mal ein neues Kapitel voller Erinnerungen.
Diese Frage bekomme ich immer wieder gestellt.
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Metal begleitet mich schon fast mein ganzes Leben.
Genau wie die Fotografie hat mich diese Musik seit meiner frühen Jugend geprägt. Bands wie Metallica, Judas Priest, Iron Maiden, ZZ Top und viele andere liefen schon damals in Dauerschleife. Mit ihnen bin ich aufgewachsen – und irgendwie auch erwachsen geworden.
Dabei ist Metal weit mehr als nur ein Musikstil.
Metal ist eine Lebenseinstellung.
Wer noch nie auf einem Metal-Festival war, hat häufig ein völlig falsches Bild. Lange Haare, schwarze Kleidung, Leder, Kutten und laute Musik wirken auf viele Menschen zunächst einschüchternd. Die Realität könnte jedoch kaum unterschiedlicher sein.
Metal-Fans gehören wahrscheinlich zu den friedlichsten Festivalbesuchern überhaupt. Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und gegenseitiger Respekt werden hier nicht gepredigt – sie werden einfach gelebt. Wer Hilfe beim Zeltaufbau braucht, bekommt sie. Wer etwas verloren hat, findet meist jemanden, der versucht zu helfen. Fremde Menschen kommen miteinander ins Gespräch, teilen Essen oder Getränke und feiern gemeinsam ihre Leidenschaft.
Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum so viele Besucher jedes Jahr wiederkommen.
Montagmorgen, 27. Juli 2026.
Der Wecker klingelte gegen fünf Uhr morgens. Während viele Festivalbesucher vermutlich gerade erst ins Bett gingen, machten wir uns bereits auf den Weg Richtung Norden.







Allerdings stand dieses Jahr noch ein besonderes Experiment an.
Zum ersten Mal wollten wir die komplette Anreise mit einem Elektroauto absolvieren.
Natürlich bedeutete das von Anfang an eine etwas andere Reiseplanung. Höchstgeschwindigkeit spielte plötzlich keine große Rolle mehr. Viel wichtiger waren Durchschnittsgeschwindigkeit, Reichweite und sinnvoll geplante Ladestopps.
Schon vor der Abfahrt war klar, dass wir gegenüber den vergangenen Jahren deutlich mehr Zeit einplanen mussten.
Wie sich unser Selbstversuch mit dem Elektroauto geschlagen hat, welche Erfahrungen wir gemacht haben und ob wir die Reise erneut genauso antreten würden, wird in einem separaten ausführlichen Bericht folgen.
Nach mehreren Ladestopps erreichten wir schließlich gegen 15 Uhr Wacken.

In diesem Jahr wohnten wir erneut im Residenz Evil.






Dabei handelt es sich um einen besonderen Campingbereich des Wacken Open Air. Im Gegensatz zum regulären Camping bietet Residenz Evil deutlich mehr Komfort. Es gibt sanitäre Anlagen, Catering, Lounge-Bereiche sowie einen direkten Zugang zur Camping Plaza, der großen Einkaufs-, Gastronomie- und Erlebnismeile vor dem eigentlichen Festivalgelände.


Gerade für Besucher, die mehrere Tage vor Ort verbringen, ist das eine äußerst angenehme Alternative zum klassischen Camping.
Nachdem unser Zelt bezogen war, führte uns der erste Weg direkt auf die Camping Plaza.




Dort holten wir zunächst unseren bereits vorab per Click & Collect bestellten Festival-Merchandise im offiziellen Wacken-Merchandise-Store ab.
Wie jedes Jahr blieb es natürlich nicht bei dem, was ursprünglich geplant war.
Anschließend ging es zurück zum Residenz Evil, wo wir den Abend entspannt im Cateringbereich bei einem guten Essen ausklingen ließen.




Nach der langen Anreise war schnell klar:
Heute wird früh geschlafen.
Nach einem gemütlichen Frühstück machten wir uns auf den Weg ins Dorf Wacken.
Während der Festivalwoche verwandelt sich das kleine Dorf vollständig. Viele Bewohner öffnen ihre Grundstücke oder Garagen, Vereine verkaufen Speisen und Getränke, überall entstehen kleine Verkaufsstände und nahezu jedes Haus ist passend zum Festival dekoriert.



Besonders beeindruckend ist jedes Jahr aufs Neue, wie sehr das gesamte Dorf hinter dem Festival steht. Besucher und Einwohner begegnen sich mit großer Herzlichkeit.
Natürlich durfte auch der obligatorische Einkauf im örtlichen EDEKA nicht fehlen. Dort besorgten wir den Proviant für die kommenden Festivaltage.

Nach einem kleinen Snack am Zelt erkundeten wir erneut die Camping Plaza und ließen den Abend mit einem selbst gekochten Essen entspannt ausklingen.






Mittwoch war es endlich soweit.
Die Tore zum legendären Infield öffneten sich.







Mit rund 85.000 Besucherinnen und Besuchern, mehreren großen Hauptbühnen sowie zahlreichen weiteren Bühnen gehört das Wacken Open Air seit vielen Jahren zu den größten und bekanntesten Heavy-Metal-Festivals der Welt. Über fünf Tage verteilt treten Künstler aus nahezu allen Bereichen des Metal und Rock auf – von jungen Newcomern bis hin zu internationalen Legenden.




Unsere erste Festivalrunde führte uns zu:
Das absolute Highlight des Tages waren für mich eindeutig Hämatom.



Energie, Stimmung und Publikumsnähe – hier passte einfach alles zusammen. Schon nach wenigen Minuten verwandelte sich das Infield in eine einzige riesige Party.
Genau so muss ein Festivalauftakt aussehen.
Erst am Donnerstag entfaltet das Festival seine komplette Größe.
Nun waren sämtliche Bühnen geöffnet und überall auf dem Gelände herrschte reges Treiben.



Auf unserem Programm standen:
Während des Auftritts von Def Leppard setzte leider Regen ein.


Da die Band ohnehin nicht zu meinen absoluten Favoriten zählt, entschieden wir uns nach etwa der Hälfte des Konzerts für den Rückweg.
Im Lounge-Bereich des Residenz Evil gönnten wir uns stattdessen noch einen Cocktail und verfolgten das Konzert entspannt auf den dort installierten Monitoren.
Auch das gehört mittlerweile irgendwie zu Wacken.
Der Freitag war für mich persönlich vermutlich der musikalische Höhepunkt des gesamten Festivals.



Schon beim Blick auf den Timetable war klar, dass dieser Tag etwas Besonderes werden würde.
Auf dem Programm standen:
Das große Highlight bildeten natürlich Judas Priest.
Helden meiner Jugend.
Bereits zum vierten Mal durfte ich die Band live erleben – und ich kann ohne Übertreibung sagen:
Es war mit Abstand der beste Auftritt, den ich jemals von Judas Priest gesehen habe.
Beeindruckende Bühnenshow, unglaubliche Spielfreude und eine Atmosphäre, die man nur schwer in Worte fassen kann.



Manchmal schließen sich einfach Kreise.
Nach dem Frühstück führte uns der Weg zunächst erneut zur Camping Plaza.
Der Grund war allerdings weniger spektakulär.
Dort funktionierte das Internet deutlich besser.
Punkt 10 Uhr startete der Vorverkauf der begehrten Loyalty Tickets für das Wacken Open Air 2027.
Nach kurzer Wartezeit konnten wir erfolgreich unsere Tickets sichern.

Die Erleichterung war entsprechend groß.
Danach ging es wieder ins Infield.


Zunächst überraschte Comedian Torsten Sträter mit einem außergewöhnlichen Programmpunkt, bevor eines der emotionalsten Highlights der gesamten Festivalwoche folgte.
Was die Festivalorganisation hier auf die Beine gestellt hat, verdient größten Respekt.
Für den Auftritt der Dino-Metal-Band HeavySaurus wurden erstmals die üblichen Altersbeschränkungen aufgehoben. Normalerweise dürfen Kinder unter sechs Jahren das Infield nicht betreten.
Für dieses Konzert galt eine Ausnahme.
Nachdem HeavySaurus bereits 2025 auf einer kleineren Bühne sämtliche Kapazitäten gesprengt hatte, durfte die Band nun auf der Harder Stage, einer der größten Bühnen des Festivals, auftreten.
Und das Infield?
Bereits gegen Mittag war es voller als ich es jemals erlebt habe.
Geschätzt zwischen 35.000 und 40.000 Zuschauer standen vor der Bühne – Zahlen, die viele bekannte Erwachsenenbands zu dieser Uhrzeit niemals erreichen.
Überall waren Kinder mit leuchtenden Augen zu sehen.
Extra eingerichtete Familienbereiche, spezielle Treffpunkte für den Fall einer Trennung von den Eltern, ein eigener Bereich direkt vor der Bühne sowie spezielle Kinder-Shirts zeigten eindrucksvoll, welchen Stellenwert Familien inzwischen beim Wacken Open Air besitzen.
Spätestens hier wurde wieder deutlich:
Wacken ist Metal. Und Metal ist Familie.
Eine bessere musikalische Früherziehung kann man sich wohl kaum vorstellen.
Da anschließend mehrere Stunden lang keine Band spielte, die uns interessierte, nutzten wir die Zeit sinnvoll.

Fast das gesamte Gepäck wanderte bereits zurück ins Auto.
Nur das Nötigste blieb im Zelt.
Damit wollten wir uns eine möglichst entspannte und frühe Abreise am Sonntag ermöglichen.
Eine Entscheidung, die sich später als goldrichtig herausstellen sollte.


Am Abend warteten noch einmal echte Hochkaräter.
Und schließlich:
Sabaton.
Was die Schweden auf die Bühne brachten, war schlicht beeindruckend.



Gigantische Videowände, aufwendige Bühnenelemente, unzählige Feuer- und Pyroeffekte sowie eine perfekte Inszenierung machten den Auftritt zu einem würdigen Abschluss des Festivals.
Ein Gänsehautmoment nach dem anderen.



Nach einer kurzen Nacht klingelte am Sonntagmorgen bereits um fünf Uhr der Wecker.
Duschen.
Umziehen.
Zelt abgeben.
Gegen sechs Uhr verließen wir Wacken.

Die frühe Abfahrt erwies sich als großer Vorteil. Bis kurz vor Frankfurt verlief die Rückreise nahezu staufrei.
Nach knapp neun Stunden erreichten wir wieder unser Zuhause.
Im Gepäck befanden sich nicht nur jede Menge Festival-Merchandise und tausende Fotos.
Vor allem nahmen wir unzählige Erinnerungen, Gespräche, Begegnungen und Erlebnisse mit.
Genau das macht Wacken für mich aus.
Nicht nur die Musik.
Nicht nur die Bands.
Sondern die Menschen.
Die Gemeinschaft.
Das Gefühl, jedes Jahr wieder nach Hause zu kommen.
Und deshalb ist bereits heute klar:
Wacken Open Air 2027 – wir sehen uns wieder.
Noch 357 Tage.